Ukraine-Hilfe: Tour am 11.03.2022

Ukraine-Hilfe: Tour März 2022

Hilfsaktion für die Ukraine

Der Ukraine-Krieg und das Leiden der Menschen in der Ukraine nimmt uns alle richtig mit. Harald König und Andreas Rosenberg aus Türkheim (Bayern) sich gefragt, was sie persönlich tun können, um den Menschen in ihrer Not direkt vorort zu helfen.

„Die Resonanz war riesig“

Harald König zückt kurzerhand sein Handy und macht ein Kurzvideo über das Vorhaben. Als er es in die Sozialen Medien postet, war schon nach einer halben Stunde klar, dass es eine größere Hilfsaktion werden würde. Die Menschen teilten, kommentierten und schrieben hunderte Nachrichten, sodass über 4.000 Menschen darauf aufmerksam wurden.

Auch die Mindelheimer Zeitung sagte sofort Berichte in der Heimatzeitung zu.

So fing alles an.

YouTube video
Ukraine-Hilfsgüter on Tour

Die Handys der beiden Initiatoren standen nicht mehr still und es dauerte nicht lange bis Harald Königs Freund Karl Maurer (Toni Maurer GmbH & Co. KG) bei ihm meldete und sich dem Vorhaben persönlich anschloss. Mit seinem zusätzlichen Aufruf innerhalb der 3 Firmenstandorte wurde der „Maurer-Lieferwagen“ schon fast voll angeliefert.

Bei Andreas Rosenberg war es einer seiner Vorgesetzten der Gleisbaufirma Spitzke (Buchloe), der ihn überraschte. Spitzke stellte ihm ein Fahrzeug und eine weitere Mitarbeiterin für die Tour zur Ukrainischen Grenze zur Verfügung.

Und es kam noch besser …

Sammlung am ZERONADE-Lager in Türkheim (Bayern)

Das Engagement der Türkheimer und Menschen aus der ganzen Region war riesig. So brachten die Leute nicht nur WIndeln, Feuchtigkeitstücher, Lebensmittel, Medikamente und Kinder-Schlafsäcke mit, sondern packten direkt mit an. Das war auch nötig, im Anbetracht der insgesamt über 5 Tonnen an Hilfsgütern, die angenommen, sortiert, wieder verpackt, beschriftet und verladen werden mussten.

Auch Michael Holmer REWE Türkheim griff tief in seine Regale und Bäckerei Neukam sorgte für die Verpflegung Säckeweise Backwaren.

Noch am Vorabend kündigte Karin Titz von der Pony-AG eine größere Lieferung aus der eigenen Sammlung der Reitschule aus Türkheim an.

Sammlung am ZERONADE-Lager

„Wir waren mit Tischen, Paletten, Kartons und Gabelstapler super vorbereitet“, so Harald König. Was aber dann stellenweise los war, konnte nicht vorhergesehen werden. Eigentlich hätte man das nie schaffen können, so Andreas Rosenberg, „aber das Engagement der Türkheimer und Menschen aus der ganzen Region war so groß, dass viele davon spontan zu Helfern wurden.“

Das Engagement war schlicht überwältigend: Ein großes Dankeschön nochmals an alle Spender und Helfer!

Danke an alle Spender und Helfer!

Herzlichen Dank an dieser Stelle für alle Spender und Helfer vor Ort:

Günter Höfner, Dr. Frank Scholz, Maria und Leonie König, Lena Holzmann, Veronika Rosenberg, Friederike Maurer, Christian Schöffel, Robert Biedermann, Evi Müller, Angela Stargard, Claudia Heinlein, Rosi Henkel und viele mehr, …

Sammeln, sortieren, verladen

Help-Ukraine-Tour

Abfahrt: Freitag 11.03.2022, 20:00 Uhr
Ziel: Grenzübergang Vyšné Nemecké, Slowakei (1.100 km einfach)

Harald König wählte den Grenzübergang Vyšné Nemecké (Slowakei), da er selbst slowakisch spricht. So plante er die Route über Salzburg – Wien – Bratislava – Žilina – Vyšné Nemecké.

Gesamtladung: 5 Tonnen

Die Gesamtladung betrug über 5 Tonnen an Getränken, Konservendosen, Müsliriegel und andere Lebensmittel, Windeln, Damenbinden und viele weiteren Hygieneartikel und vieles vieles mehr …

Liste der Sachspenden

  • 15.000 Windeln
  • 35.000 Damenbinden
  • Babynahrung: 850 Gläschen und Milchpulver
  • 25 Baby-Schlafsäcke
  • Einweg-Besteck und -Teller
  • Feuchtigkeitstücher
  • Küchenrollen, Toilettenpapier, Papiertaschentücher
  • Konserven (selbstöffnend): 600 Dosen
  • 2.000 Müsli-Riegel
  • Medikamente (ungeöffnet)
Diese Artikel waren nicht erwünscht

Textilien (außer Baby-Schlafsäcke): Kleidung, Schuhe, Decken, Teppiche
gebrauchten Gegenstände
abgelaufene Nahrungsmittel

Tour-Bilder

Die Fahrt durch die Nacht verlief (fast;-) reibungslos: Nur ein paar Kilometer nach Žilina lud uns Google Maps zu einer ungewollten Sight-Seeing-Tour durch enge Gassen ein …

Grenzübergang zur Ukraine

Nach 12 Stunden Fahrzeit haben wir unser vermeintliches Ziel erreicht: Kein Stau, keine Menschenmengen wie uns angekündigt wurde, alles scheint top organisiert zu sein. Aber der Schein trügt …

Gut vorbereitet auf den Ansturm

Zum Grenzübergang waren es nur etwa 500 m Fußmarsch. In der Ankunftszone kommen im Moment etwa 500 Menschen pro Stunde an, sodass die Hilfskräfte vorort gut damit fertig wurden. Internationale und slowakische Hilfsorganisationen bereiten sich auf einen enormen Ansteig der Flüchtlingszahlen vor und installierten Zelte mit allerlei Lebensmitteln und alles andere Lebensnotwendige.

Aus Pietätsgründen verzichten wir auf Bilder von Flüchtigen. Obwohl auf slowakischer Seite alles für die Menschen aus der Ukraine getan wird, bleibt für uns der Blick in völlig leere Augen für immer im Gedächtnis.

Unsere Hilfsgüter direkt in die Ukraine?

Weil die Not in der Ukraine am größten ist, suchen wir nun nach einer Möglichkeit, unsere Hilfsgüter direkt in die Ukraine in die grenznahe Stadt Uschhorod zu liefern. Harald König erhält einen wichtigen Hinweis:

Im 12 km entfernten Sobrance soll es eine Kirche geben, deren Keller als Lager der slowakischen Caritas genutzt wird. Von dort aus starten täglich Hilfstrucks in die Ukraine.

Kirche in Sobrance

Flüchtlingsströme verändern sich

Ausführungen von Peter Michelbach

Während momentan die Hauptflüchtlichgsströme Richtung Polen und Rumänien laufen, ist schon bald damit zu rechnen, dass sich das in die entlegeneren Grenzübergänge zur Slowakei verlagern wird.

Meiner Meinung nach gibt es drei Fluchtrouten.

Zu Beginn flüchteten die Menschen aus dem Donbas Richtung Kiew, weil man davon ausging, dass Russland nur in den Osten der Ukraine eingreift. Dann kamen diese Streitkräfte aber auch über Belarus Richtung Kiew.

  1. Kiew -> Lwiw -> Richtung Polen
  2. Donbas -> Richtung Rumänien
  3. Donbas -> Richtung Slowakei/Uschhorod (wo wir waren)

Die slowakische Grenze ist von Odessa 1017 km und von Mariupol 1638 km entfernt, also ein sehr weiter Weg, der zum Teil sogar zu Fuß oder in extremen Staus und total überfüllten Verkehrsmitteln zurückgelegt wird. Oft stellt sich ein Teilweg als Sackgasse heraus und die Menschen müssen kilometerweise Wegstrecken wieder zurück.

Die Gegend ist von russischen Streitkräften besetzt, sodass die Route Richtung Slowakei wohl die riskanteste ist.

Zudem sind die Menschen aktuell in Odessa und Mariupol eingeschlossen. Eine Flucht scheint ausgeschlossen. Kiew hingegen ist ja NOCH nicht ganz eingeschlossen. Aus diesem Grund ist bei Polen das Flüchtlingsaufkommen viel größer als in der Slowakei.

Somit ist mein Resume

Ca. 500 Flüchtlingen pro Stunde am slowakischen Grenzübergang scheint zwar wenig, ist aber unter den Umständen doch realistisch.

Das ändert sich aber dramatisch, sobald Korridore aus dem Osten installiert werden. Damit flüchten Millionen aus den Großstädten, Odessa, Mariupol und der Ostregion, Richtung Rumänien und Slowakei.

Die Strecken sind enorm, die die Menschen zurücklegen. Es scheint ohne Fahrzeug nicht möglich und trotzdem Maschen sich Ukrainer zu Fuß auf den Weg, ohne Essen und Trinken. Das wäre quasi wie unsere Fahrtstrecke zur Ukrainischen Grenze, nur zu Fuß und nicht auf friedlichen Boden.

Mir fehlen die Worte.

Peter Michelbach
Finanz-Analyst

Lager unter der Kirche von Sobrance

An der Kirche von Sobrance erwarteten uns schon viele freiwillige Helfer der Caritas. Unter der Kirche befindet sich ein großer Raum der kurzer Hand zum Lager umfunktioniert wurde. Jetzt kommt uns die Arbeit zugute, die wir uns mit Sortieren der Waren und Beschriften der Kartons in Deutschland gemacht haben. In nur 45 Minuten ist alles Ausgeladen und am rechten Platz unter der Kirche verstaut.

Gegen Mittag war alles ausgeladen, aber der Tag war noch nicht zu Ende.

Team Toni Maurer trat direkt die Rückreise an, ca. 1.100 km standen ihnen noch bevor.

Team Spitzke und Team Zeronade hatten noch einen Sonderauftrag: Eine Familie wartet am am Grenzübergang Vyšné Nemecké. Hat der Vater der Familie eine Chance das Land zu verlassen?

Jetzt beginnt eine Odyssee

Nach etlichen Versuchen auch am zweiten Grenzübergang in Ubla müssen wir die Rückreise mit der Familie ohne Vater antreten. Die Stimmung ist am Tiefpunkt.

Mit den am Schlagbaum ausgetauschten Papieren gibt es jedoch wieder Hoffnung. Für den Fall, dass dem Vater in den nächsten Tagen die Ausreise gelingt, haben wir slowakische Kollegen von Andreas Rosenberg organisiert. Diese können den Vater dann ebenfalls nach Deutschland bringen.

Noch am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zurück Richtung Bratislava. Quer durch das Gebirge der hohen Tatra und nach weiteren 450 km erreichen wir um 20:00 Uhr Šaľa, dem Wohnort der slowakischen Familie der Königs (Maja König ist Slowakin). Nach slowakischem Gulasch fallen uns die Augen zu und wir gehen nach 39 Stunden zu Bett. Leider wird uns der Wecker bereits am Sonntag um 5:00 Uhr anklingeln, um die letzten 680 km nach Hause zu fahren.

Am Ende stehen fast 3.000 km mehr auf dem Tacho (und in den Gliedern) und wir sind dafür dankbar.

von links nach rechts:

Andreas Rosenberg (Spitzke), Stefan Lacko (Caritas Slowakei), Hubert Schäffler (Toni Maurer), Peter Michelbach (Mindelheim), Karl Maurer (Toni Maurer), Matej Baran (Caritas Slowakei), Martin Benko (Caritas Slowakei), Harald König (Zeronade), Stefan Lipták, Jan Klein (Caritas Slowakei), Tanja Möggenried (Spitzke)