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Erfrischendes Ausrufezeichen aus Türkheim

Harald König hat ein kalorienarmes Getränk mit Geschmack erfunden

Von  Marcus Barnstorf Um Ziele zu erreichen, muss man oftmals Umwege gehen, Hindernisse überwinden und einen langen Atem haben. Bergwanderer wie Harald König können davon ein Lied singen. Vor über drei Jahren machte er sich auf den Weg, um am Aggenstein seinen Kopf frei zu bekommen, vom Berufsalltag seiner Internet-Agentur abzuschalten. Doch was der Türkheimer damals noch nicht wusste, diese Tour sollte sein Leben verändern.

Er wollte das Unmögliche möglich machen

Am Gipfel angelangt, plagte ihm der Durst. „Wasser schmeckt mir nicht, Apfelschorle war zu süß und ein Bier zu kalorienreich“, erinnert sich Harald König. Gibt es denn kein Erfrischungsgetränk, das schmeckt, ohne Zucker ist und leicht verdaulich ist? Diese Frage trieb ihn auf den Rückweg um. Zuhause setzte er sich an seinen Rechner, recherchierte im Internet und bekam keine zufriedenstellende Antwort. Besuche in diversen Getränkemärkten und bei Einzelhändlern bestätigten seine Nachforschung: „Die Regale waren voll mit Light-Getränken, versetzt mit den künstlichen Süßungsmitteln Aspartam, Acesulfam-k und Sacharin. Das wollte ich meiner Familie und mir nicht antun.“ Doch statt sich mit dem Ergebnis zufrieden zu geben, trieb es ihm an, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Besessen von der Idee, ein neuartiges Erfrischungsgetränk zu erfinden, unternahm er mehrere Touren durch halb Europa. Er schaute sich in Deutschland, Skandinavien und Großbritannien um und klopfte an viele Türen renommierter Getränkehersteller. Nur die wenigsten gewährten dem „König von Türkheim“ eine Audienz. Keiner konnte sich so recht für seinen Einfall erwärmen. Wenn es so etwas gebe, wäre es schon auf dem Markt, so die einhellige Meinung. „In den folgenden Wochen und Monaten lernte ich viel über die Mechanismen der Branche, über Biopyhsik und die Herstellung von Getränken“, so der heute 48-Jährige.

Die Küche in Türkheim wurde zum Versuchslabor

Die heimische Küche verwandelte sich in dieser Zeit zu einem Versuchslabor. Immer wenn er dachte, er habe die richtige Rezeptur, passten die Kalorienwerte oder der Geschmack nicht. Doch jeder Rückschlag motivierte ihn, nicht aufzugeben. „Doch irgendwann waren wir an dem Punkt angekommen, einen allerletzten Versuch zu wagen“, so König. Dieses Mal passte wirklich alles. Es war die Geburtsstunde der „Zeronade“, ein Durstlöscher ohne Zucker, künstliche Süßungsmittel und Farbstoffe und so gut wie keine Kalorien. Im Frühjahr dieses Jahres wurden die ersten 35000 Flaschen bei der Kaufbeurer Aktienbrauerei abgefüllt. Kaum im Handel, waren die drei Geschmackssorten Limone, Apfel und Kirsche nach drei Wochen bereits vergriffen. „Viele schätzen unser Erfrischungsgetränk mit natürlichen Aromen von echten Früchten und genießen es ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben“, sagt der Türkheimer Erfinder. Sein Credo: „Beim Trinken selbst werden mehr Kilokalorien verbrannt, als mit der Zeronade aufgenommen.“

Die Süße kommt aus Pflanzen

Die süße Komponente stammt von besonderen Stevia-Sorten, die nicht wie gewöhnlich nach Lakritze schmecken. Abgerundet wird sie mit Erythrit, das unter anderem durch Fermentation von Mais entsteht. Durch den geringen Säureanteil als herkömmlichen Limonaden sei der Durstlöscher für den Magen verträglicher. Die Farbe erhält König von Extrakten aus Früchten und Gemüse. Im östlichen Landkreis sowie im Raum Landsberg ist Zeronade in ausgewählten Fachmärkten, Tankstellen sowie in der Grob-Kantine erhältlich. Damit seine Marke überregional bekannter wird, ist Harald König in den nächsten Wochen bei großen Fachmessen in Ulm und Salzburg mit einem eigenen Stand vertreten. Weitere Kooperationen mit dem Einzelhandel schließt er ebenso wenig aus wie einen eigenen Online-Shop. Für kommendes Jahr könnte er sich auch einen Vertrieb über Amazon vorstellen. Um das Transportgewicht zu reduzieren, wird es das Türkheimer Erfrischungsgetränk schon bald neben den 0,33-Liter-Glasflaschen auch in PET-Flaschen geben.

So geht Harald König auf Nummer sicher, dass deren Inhalt wohlbehalten beim Kunden angekommen. Auch sind weitere Geschmacksrichtungen nicht ausgeschlossen. Doch bis diese die Marktreife erreicht haben, werde er sicherlich die in oder andere Hürde überwinden und Durchhaltevermögen beweisen müssen.